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 Betreff des Beitrags: was Neues in Nettersheim
BeitragVerfasst: So 5. Okt 2014, 12:00 
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Sa 22. Feb 2014, 19:40
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Natur- und Archäologiefreunde sind bei einer Wanderung in der Eifel auf ihre Kosten gekommen. Der Kabarettist Konrad Beikircher, der Archäologe Klaus Grewe und Botaniker Wolfgang Schumacher begleiteten die 100 Teilnehmer. Von Claudia Hoffmann
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Nettersheim.

Die beiden Nettersheimer Busfahrer hatten die Motoren noch nicht angelassen, da machte sich in ihren knallroten Gefährten bereits fröhliches Schulbus-Feeling breit. Frei nach dem Motto „Auf der Rückbank sitzen die Coolen“, stürmte eine gut gelaunte Damen-Truppe kess den hinteren Teil des Ganges.

Die Wartezeit wurde alsdann mit dem Auspacken der ersten Butterbrotdosen und von Handy-Klingeltönen aus Tschaikowskys Ballett „Der Nussknacker“ überbrückt, denn Kabarettist Konrad Beikircher flog mit etwas Verspätung aus Bonn ein und musste anschließend noch drei komplizierte Schirmkonstruktionen aus dem Kofferraum rupfen: „Eine für wenig Regen, eine für viel und eine für ganz viel Regen“, erklärte Beikircher augenzwinkernd und der Stimmungspegel im Bus schnellte in ungeahnte Höhen.

Zur kollektiven Erheiterung trug hiernach auch die kurze Begrüßungsrede von Archäologieprofessor Klaus Grewe bei, der den rund 100 Teilnehmern einen anspruchsvollen Spaziergang durch das Urfttal in Aussicht stellte: „35 Kilometer wollen ja immerhin erst einmal gewandert werden“, verschob Grewe das Komma der faktisch dreieinhalb Kilometer langen Strecke scherzeshalber kurz mal nach rechts.

Den ersten Stopp legte die Gruppe an dem laut Grewe „aufschlussreichsten Aufschluss“ der römischen Eifelwasserleitung ein. Oberhalb der Burg Dalbenden tritt die Leitung für ein kurzes Stück aus ihrem unterirdischen Verlauf an das Tageslicht, um ein kleines Trockental (Siefen) zu überqueren, erklärte Grewe.

„Beikircher sammelte wilden Majoran „für alle, die zufällig ein Schnitzel dabei hatten.“

An dieser Stelle sei ein Durchlass mit einer lichten Weite von 90 Zentimetern gebaut worden, um das bei Regen oder Schneeschmelze anfallenden Oberflächenwasser unter der Leitung abzuführen. So hätten die römischen Ingenieure verhindert, dass die Wasserleitung beschädigt wurde und Fremdwasser in den Römerkanal eindringen konnte.

Die Kanalrinne aus Stampfbeton sei innen mit einem Putz (Opus signinum) verkleidet, bei dessen Herstellung man als besonderen Zuschlagstoff zermahlene Ziegelsteine verwendet habe, was zum einen die rötliche Färbung, zum anderen die hydraulische Wirkung erkläre, denn er machte die Leitung wasserdicht. Auch an den nachfolgenden Stationen – Gut Neuwerk, Urftschleife, Eifelsteig bis hin zum „Grünen Pütz“ – erfuhren die Teilnehmer allerhand Wissenswertes rund um die antike Ingenieurskunst, wie etwa die Tatsache, dass seinerzeit täglich 20 Millionen Liter Wasser von Nettersheim nach Köln transportiert worden waren, die Bauzeit der Gefälleleitung maximal fünf Jahre betragen hatte und schätzungsweise 250 bis 500 Arbeiter an ihrer Konstruktion beteiligt waren.

Beikircher trug unterdessen heitere Anekdoten bei und berichtete von einem Telefongespräch mit seinem älteren Bruder Hugo, seines Zeichens versierter Altphilologie, der sich aktuell sehr intensiv mit der Erforschung römischen Liedgutes beschäftige. Unlängst seien nämlich in Legionstafeln geritzte Evergreens gefunden worden, die später ganz offensichtlich von Willy Ostermann „geklaut“ worden seien. Hier sei die Beweisführung aber „derzeit noch nicht ganz gesichert“, denn beim Refrain breche die Tonscherbe bedauerlicherweise ab. In Beikirchers amüsanten Ausführungen gelangte auch der römische Historiker Tacitus zu neuen Ehren, der „sozusagen ja als Guido Knopp der Antike“ einzustufen sei, und der in seinen Schriften dafür gesorgt habe, das der bis dahin völlig unwissende römische Leser etwas mehr über das Rechtsrheinische im Allgemeinen und im Besonderen erfahre, wie beispielsweise über die Eburonen – „übrigens ganz harte Knochen“, witzelte Beikircher.

Naturfreunde kamen bei der kurzweiligen kulturkundlichen Wanderung ebenfalls voll auf ihre Kosten. Botanikprofessor Wolfgang Schumacher führte ein in die Welt von Rotbuche, Feldahorn, Waldhyazinthe und Wunderveilchen am Wegesrand. Beikircher sammelte in der Zwischenzeit wilden Majoran „für alle, die zufällig ein Schnitzel dabeihatten“. Und sogar der „Blaue Steinsame“, eine ansonsten vergleichsweise seltene Pflanze, konnte ausfindig gemacht werden.

Am Zielpunkt „Grüner Pütz“ erwarteten die Teilnehmer nicht nur Eifeler Spezialitäten aus der leckeren Küche der beiden Nettersheimer Landfrauen Rosemarie und Brigitte Klinkhammer, sondern Kabarettist Beikircher wurde von Bürgermeister Wilfried Pracht unter großem Publikumsbeifall überdies zum „Römer Konradus von Nettersheim“ getauft.

Schumacher und Grewe übernahmen die Patenschaft, als Geschenk

Samstag Kölner Stadt Anzeiger
27.09.2014 ^:)^ ^:)^ ^:)^ ^:)^ ^:)^ ^:)^ ^:)^ ^:)^


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