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 Betreff des Beitrags: "heutige Geologieabsolventen können nicht mehr kartieren"
BeitragVerfasst: Mo 25. Aug 2008, 20:58 
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bachelor
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Diese "These" habe ich heute in etwa dieser Art zu hören bekommen. Und ich muss sagen, dass da durchaus was dran ist. Wenn ich meine praktische Geologieausbildung mit älteren Bekannten und Verwandten vergleiche, dann ist dieser praktische Ausbildungspart an der Uni auf ein Minimum eingeschrumpft (worden). Es gibt zwar viele Exkursionen, aber fast alle ohne Vermittlung handwerklicher Fähigkeiten. An den Unis werden wohl eher Geo-Forscher statt Geologen ausgebildet, die später auch für die Wirtschaft tauglich sind. Ich selbst bedauere das sehr. Statt Praxis wird an vielen (allen?) Unis überwiegend Theorie geleert. Unternehmen brauchen aber zum großen Teil Geologennachwuchs, der das Geologenhandwerk beherrscht, also eigentständig im Feld kartieren kann. Und das scheint Mangelware zu sein. Vielleicht waren "Geologiefacharbeiter", wie sie zu meiner Kindheit noch ausgebildet wurden, doch keine so schlechte Erfindung?

Täuscht mein Eindruck oder könnt ihr aus eurer Sicht Ähnliches bestätigen?

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Viele Grüße, GeoBerg.

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BeitragVerfasst: Mo 25. Aug 2008, 23:08 
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master of desaster
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Nein, stimmt schon.
Bei uns muss man nicht mal mehr eine Diplomkartierung machen. Als Alternative gibt's die Studienarbeit.
Habe daher auch nur zwei Kartierkurse gemacht. Und der zweite ist schon wieder eine ganze Weile her.

Allerdings würde ich nicht sagen, dass wir kaum handliche Fähigkeiten beigebracht bekommen. Wir haben da schon einige Geländepraktikas. Sedimentologische Profilaufnahme, Bohrkernansprache, Hydrogeologische Feldversuche, Ingenieurgeologische Feldversuche, Georadar,...


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BeitragVerfasst: Di 26. Aug 2008, 09:35 
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Der Trend geht leider immer mehr zum modellieren und zum berechnen und zu 3-D Grafiken erstellen - kurz: die Arbeit am Computer ist bequemer und einfacher als sich im Gelände mit bissiger Pflanzen und wilden Tieren 'rumzuschlagen.
Leider vergessen diese Spezialisten gerne, woher diese Daten stammen. Ohne die Arbeit dieser Feld-, Wald- und Wiesengeologen wären diese Bilder nie entstanden.
Ich kenne kaum jemanden, den man im Gelände unbeaufsichtigt arbeiten lassen kann. Leider ist das Interesse an dieser Arbeit auch sehr gering.
Es waren schon Kartierungen von verschiedenen Uni's bei mir in der Eifel mit z.T. spektakulären Ergebnissen mit überkippten Deckenstrukturen und saiger stehenden Auelehmen.
Mal sehen, was noch alles entdeckt wird...

Gruss
Spotts


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BeitragVerfasst: Di 26. Aug 2008, 09:43 
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Zu Gunsten neuer Inhalte werden ältere reduziert. Bei den Zwängen "innovativ" und "angewandt" zu sein kein Wunder. An einigen Universitäten ist die Diplom- ähm -Masterkartierung noch Pflicht. Aber mit den zunehmenden Stelleneinsparungen, bzw. dem Hang Stellen ehemaliger Wissenschaftlicher Mitarbeiter durch 3.Semester-Hiwis aufzufüllen, die dann die Anfänger unterrichten nimmt man bewußt (oder gezwungenermaßen) in Kauf jeder weiteren Generation praktisches Wissen vorzuenthalten.

Aber so gibt es für die wenigen Leute die Stellen an den Universitäten haben wenigstens nicht die Sorge dass Nachwuchs ihnen durch bessere Leistungen den Arbeitsplatz streitig macht. Und die paar die es könnten, gehen mit Begeisterung in die Wirtschaft. Weil die wenigstens noch mehr für Gewinn als für Verwaltung investiert.

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"So lange Fiktionsapparaturen latente Illusionen nicht manifestieren können, ist eine Realisation des Illusionären latent Fiktiv!"

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BeitragVerfasst: Di 26. Aug 2008, 11:44 
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Hier in den Niederlanden wird das Kartieren noch mächtig zelebriert. Im ersten Jahr 3 Wochen Spanien mit ordentlicher Feldkarte (Geologie + Geomorphologie), abgedeckter Geologischer Karte, Geomorphologischer Karte, und Profilen und stratigraphischer Kolumne, alles anzufertigen innerhalb der drei wochen. dabei aller zwei Tage betreuung mit vorherhiger Luftbildinterpretation.

Über Feldarbeit bei uns an der Uni damals in Good Old Germany kann ich jetzt irgendwie nur lachen bzw. eigentlich weinen. Vor allem deswegen wenn man als Dipl.-Geol. auf einem Feldkurs mit 1st year students noch sehr viel lernen kann...

cheers,
Andreas

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Nothing shocks me. I'm a scientist!


Zuletzt geändert von Andy81le am Di 26. Aug 2008, 14:45, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Di 26. Aug 2008, 12:37 
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Vielleicht sollte ich in die Niederlande wechseln...

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BeitragVerfasst: Mi 15. Okt 2008, 13:23 
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Hallo,

bei uns gibt es bis zu drei Kartierungen. Anfänger- Fortgeschrittenen- und eventuell Diplomkartierung.
Das an sich klingt ja nicht schlecht. Nur leider gibt es zu wenige Vorlesungen bzw. Übungen, in denen einem das Kartieren überhaupt richtig beigebracht wird. Ein einzelner Kartierkurs vor der Anfängerkartierung!
Wenn man dann aber 2 bis 3 Jahre später vor der Fortgeschrittenenkartierung steht, hat man doch alles wieder vergessen und steht im Gelände wie der Ochs vorm Tor.

Ich denke, das liegt nicht nur daran, dass es nicht mehr so wichtig genommen wird, sondern auch am Lehrkräftemangel. Es ist einfach kein Geld da und keiner hat Zeit die Kurse zu halten bzw. die Kartierungen zu planen und zu leiten

Traurig traurig.

-Lyntha-


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BeitragVerfasst: Mi 15. Okt 2008, 23:19 
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tja, willkommen bei der deutschen bildungspolitik


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BeitragVerfasst: Do 16. Okt 2008, 04:10 
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master of desaster
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Kartieren kann man auch nicht durch Vorlesungen und Uebungen lernen. Man muss es schon richtig machen, 2 Wochen ins Gelaende und los geht's.

Drei Kartierkurse (1 Anfaenger, 2 Fortgeschrittene (Sedimente & entweder Magmatite/Metamorphite) gibt's bei uns auch, zwei sind Pflicht.
Kartierziel der Fortgeschrittenenkurse rotiert immer. Wer also will, kann 3-4 Fortgeschrittenenkurse mitmachen und trotzdem immer wo anders kartieren. Dazu kann man noch an Kursen anderer Unis teilnehmen. Da es eher zu wenig als zuviel Studis gibt, die an den Fortgeschrittenenkursen teilnehmen wollen, hindert einen auch niemand aus Platzgruenden an der Teilnahme. (Im Anfaengerkurs ist das anders, der ist immer voll, aber wer will den auch zweimal machen?)
Das Angebot ist also da. Es nimmt nur keiner wahr, weil die meissten nur die Pflichtsachen absolvieren.


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BeitragVerfasst: Do 16. Okt 2008, 20:52 
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Hallo,

stimmt schon, dass man alles mehrfach machen könnte. Aber ich persönlich könnte mir das schonmal nicht leisten. Wenn ich daran denke, was mich meine Fortgeschrittenenkartierung gekostet hat, dann wird mir immer noch schlecht. Und das ist bei weitem nicht die einzige Exkursion, die uns ordentlich schröpft. Und ich geh nicht davon aus, dass das nur mir so geht.
Aber das beiseite.

Und, natürlich lernt man das Kartieren erst im Gelände. Geht auch gar nicht anders.


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BeitragVerfasst: Fr 17. Okt 2008, 01:18 
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cottontree hat geschrieben:
Kartieren kann man auch nicht durch Vorlesungen und Uebungen lernen. Man muss es schon richtig machen, 2 Wochen ins Gelaende und los geht's.

Drei Kartierkurse (1 Anfaenger, 2 Fortgeschrittene (Sedimente & entweder Magmatite/Metamorphite) gibt's bei uns auch, zwei sind Pflicht.
Kartierziel der Fortgeschrittenenkurse rotiert immer. Wer also will, kann 3-4 Fortgeschrittenenkurse mitmachen und trotzdem immer wo anders kartieren. Dazu kann man noch an Kursen anderer Unis teilnehmen. Da es eher zu wenig als zuviel Studis gibt, die an den Fortgeschrittenenkursen teilnehmen wollen, hindert einen auch niemand aus Platzgruenden an der Teilnahme. (Im Anfaengerkurs ist das anders, der ist immer voll, aber wer will den auch zweimal machen?)
Das Angebot ist also da. Es nimmt nur keiner wahr, weil die meissten nur die Pflichtsachen absolvieren.


Du hast prinzipiell schon recht.
Genügend angebote sind wohl vorhanden und mM nach reicht es auch nicht nur den Pflichtteil zu absolvieren.
Wenn ich allerdings die Zeitnot in meinem Bachelorstudium bedenke halte ich es für kaum umsetzbar an zig Exkursionen über das Pflichtmaß hinaus teilzunehmen.
Dafür reichen die mit Block- und Laborkursen zugebombten Semesterferien einfach nicht aus, davon dass man mal eine Woche frei haben möchte ganz abgesehen.

Trotzdem halte ich die Geländeausbildung an einigen deutschen Unis für zu ausgedünnt, um das zu ändern müsste man eben an anderer Stelle wieder kürzen.


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 Betreff des Beitrags: Re: "heutige Geologieabsolventen können nicht mehr kartiere
BeitragVerfasst: Di 15. Dez 2009, 18:37 
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Mir wurde bei meiner letzten Bewerbung aufgrund meiner Auflistung im CV exzellente Geländeerfahrung bescheinigt. Den Grosssteil meiner Geländearbeit fürs Projekt hab ich bisher meist alleine durchgeführt. Gut - Geländearbeit bedeuted nicht zwangsläufig Kartieren im eigentlich Sinn aber ich glaube nicht dass man das pauschalisieren kann. Zumindest die jüngsten Diplomjahrgänge meiner Heimatuni sollten noch genug mitbekommen haben.


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 Betreff des Beitrags: Re: "heutige Geologieabsolventen können nicht mehr kartiere
BeitragVerfasst: Di 15. Dez 2009, 19:54 
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Di 10. Mai 2005, 15:44
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Wohnort: Gladbeck
schmunda hat geschrieben:
Zumindest die jüngsten Diplomjahrgänge meiner Heimatuni sollten noch genug mitbekommen haben.

Da liegt der Hase im Pfeffer ... Diplom (in der Schweiz) gegen Bachelor (in Deutschland).
Das Diplom gewinnt ...zu Null.

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Viele Grüße
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Die Welt ist in zwei Sekten unterteilt: In die mit Religion, aber ohne Verstand
und die mit Verstand, aber ohne Religion.
Abu 'l-'Ala al-Maarri (syrischer Dichter, 11.Jh.)


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 Betreff des Beitrags: Re: "heutige Geologieabsolventen können nicht mehr kartiere
BeitragVerfasst: Di 15. Dez 2009, 20:57 
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hard-rocker
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Beiträge: 262
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Achim hat geschrieben:
schmunda hat geschrieben:
Zumindest die jüngsten Diplomjahrgänge meiner Heimatuni sollten noch genug mitbekommen haben.

Da liegt der Hase im Pfeffer ... Diplom (in der Schweiz) gegen Bachelor (in Deutschland).
Das Diplom gewinnt ...zu Null.


Huch, Ich hätte anmerken sollen, dass ich in Deutschland (Freiberg) studiert habe. Zumindest in Zürich ist es ähnlich. Hier ist die Umstellung auf Bsc/Ms auch vollzogen.


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 Betreff des Beitrags: Re: "heutige Geologieabsolventen können nicht mehr kartiere
BeitragVerfasst: Mi 16. Dez 2009, 09:07 
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Mi 26. Jul 2006, 10:02
Beiträge: 1160
Wohnort: Eifel (Zentrum)
Ob Kartierung oder Profilaufnahme - vor 15 Jahren habe ich mich schon darüber geärgert relativ sinnlose "Nebenfächer" abzuhaken die zu Beginn des Studiums fast 90% des Lehrmaterials ausmachten. Die praktischen Tätigkeiten, nicht nur im Gelände, kam leider erst kurz vor Schluss auf.
In der Eifel habe ich u.a Kartierkurse betreut die eigentlich nur Kalke, Mergel und Sonstiges unterscheiden mussten. Von saigerstehenden Auelehmen bis basaltischen Dolomiten kam da alles vor...

Gruss
Spotts :snowman:


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