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 Betreff des Beitrags: "Alien"-Mikrobe kann Phosphor durch Arsen ersetzen
BeitragVerfasst: Fr 3. Dez 2010, 11:38 
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Möglicherweise eine Sensation:

Im Sediment des extrem salzigen Mono Lake in Kalifornien wurde ein Mikroorganismus entdeckt, der in der Lage ist, in wesentlichen Biomolekülen Phosphor durch das normalerweise für Organismen hochgiftige Arsen zu ersetzten.

Hier Links zu Online-Artikeln, die sich allerdings ähneln (gleiche Pressekonferenz als Quelle): scinexx / SPIEGEL-Online / Der Standard, Wien

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 Betreff des Beitrags: Re: "Alien"- Mikrobe kann Phosphor durch Arsen ersetzen
BeitragVerfasst: Fr 3. Dez 2010, 22:05 
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Gut, es war bisher zwar noch kein Organismus auf der Erde bekannt, der Arsen statt Phosphor in sein Gefüge einbauen kann, aber so richtig überrascht bin ich eigentlich nicht. Beide Elemente gehören im Periodensystem zur gleichen Hauptgruppe und können sich daher in gewissem Maße gegenseitig ersetzen. Kennen wir doch aus der Mineralogie zur Genüge, auch wenn das nur die anorganische Chemie ist.
Und was heißt hier hochgiftiges Wasser ? Immerhin steht die Dame bis zum Knien darin und es wird mit bloßen Händen darin rumgematscht.
Als Chemiekundiger streuben sich mir sowieso manchmal die Haare, wenn ich in den Medien was von "hochgiftig" höre, lese oder sehe.
Vor Jahren sah ich mal eine Sendung, in der es um die Slums in der Dritten Welt ging. Ihr Trinkwasser hatten sie in Fässern aufbewahrt, in denen sich vorher eben diese "hochgiftigen" Chemikalien befunden hatten. Sie zeigten diese schön giftgrün aussehenden Fässer, auf denen dick die Bezeichnung "Isopropanol" zu lesen war. Das schmiert sich jeder Mann nach der Rasur in den Bart.
Welche Ph-Werte liegen denn in dem See vor ? Ich denke, da gibt es auf unserem Planeten noch lebensfeindlichere Gewässer, in denen auch Mikroorganismen und sogar Mehrzeller leben, nur daß die eben kein Arsen verwerten.


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 Betreff des Beitrags: Re: "Alien"- Mikrobe kann Phosphor durch Arsen ersetzen
BeitragVerfasst: Sa 4. Dez 2010, 10:27 
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cairngorm hat geschrieben:
Beide Elemente gehören im Periodensystem zur gleichen Hauptgruppe und können sich daher in gewissem Maße gegenseitig ersetzen.

Genau das macht die biologische Giftigkeit des Arsens aus. Phosphor wird durch Arsen erstzt und die Biomoleküle verlieren dann ihre für's Leben notwendige Funktion. Der neu entdeckte Organismus besitzt daher einen, verglichen mit dem bekannten Leben, fremdartigen Biochemismus. Ich bin übrigens der Ansicht, dass es kein wirkliches "Alien" ist. Er arbeitet ja normalerweise auch mit Phosphor, faszinierend ist es trotzdem.

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 Betreff des Beitrags: Re: "Alien"-Mikrobe kann Phosphor durch Arsen ersetzen
BeitragVerfasst: Sa 12. Feb 2011, 13:04 
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Im Februar-Heft/2011 von "Sterne und Weltraum" setzt sich ein vermutlicher Experte (Leiter des Laboratoriums Mikrobiologie Uni Marburg) mit der Sache auseinander; er hat offensichtlich die Originalveröffentlichung durchgearbeitet. Sein Urteil: "Alles in allem zeigen die Autoren keinen einzigen zwingenden Befund, der auf einen ... Austausch von Phosphor gegen Arsen in zentralen Biomolekülen hinweist."
Die Begründungen des Kritikers gehen dahin, dass keine geeigneten Kontrollversuche vorgenommen wurden, die Wachstumsversuche durchaus nicht phosphatfrei verliefen, Fehler in die statistischen Auswertung des As/P-Verhältnisses eingebaut wurden. Es wurden also vorschnelle Schlüsse ohne tragfähige experimentelle Grundlagen gezogen, d.h. also die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens nicht beachtet.
Als einziges Ergebnis bleibt nur die erstaunliche Arsenresistenz des Bakteriums.
Der Kritiker empfiehlt, den Artikel als Sciencefiction zu bewerten und besser zu ignorieren.
Wenn man das jetzt mit der sensationellen Berichterstattung vergleicht, z.B. "Spiegel-online"-Zitat:
"Es kommt selten vor, dass ein wissenschaftlicher Fachartikel bereits vor seiner Veröffentlichung große Beachtung erfährt. Wenn zudem die Nasa noch eigens eine Pressekonferenz zum Thema ankündigt, in der es heißt, man werde "eine astrobiologische Entdeckung vorstellen, die die Suche nach außerirdischem Leben beeinflussen wird", ist die Aufregung groß."
Aus der "großen Beachtung" wird also auf Sensation geschlossen. Dabei hat doch erst die NASA die "Große Beachtung" erzeugt (eigene Pressekonferenz für einen einzigen Fachartikel!). Und die versammelte Fachjournaille fällt komplett aus sowas herein. Von kritischen Nachfragen der Fachjournalisten (was eigentlich ihre Aufgabe wäre) erfuhr man jedenfalls nichts.
Mich erinnert das an die Geschichte vom "Polywasser", deren Eigenschaften damals von zahlreichen "wissenschaftlichen" Arbeitsgruppen untersucht wurde. Später Ende der achtziger Jahre gab es dann die Kernfusion im Reagenzglas, auch diese startete mit einer eigens einberufenen Pressekonferenz. Auch diese Technologie hat sich bislang nicht durchgesetzt.
Wie beurteile ich die Glaubwürdigkeit von wissenschaftlichen Erkenntnissen?
Ich behaupte:
Ein absolutes schrilles Warnzeichen für begrenzte Zuverlässigkeit ist die Präsentation auf einer Pressekonferenz. :D


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