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 Betreff des Beitrags: Dumm gelaufen: Eine Stadt zerreißt nach Erdwärme-Bohrung
BeitragVerfasst: Sa 15. Nov 2008, 13:56 
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Na, da hätte man sich wohl besser vorher etwas intensiver mit der Geologie beschäftigen sollen:

Nach Erdwärme-Bohrung: Eine Stadt zerreißt
Vorbildlich ins Desaster: Mit Erdwärme wollte man das Rathaus im südbadischen Staufen heizen. Doch kurz nach den Bohrungen begann der Horror. Überall in der Stadt taten sich tiefe Risse auf. Keiner weiß, was noch kommt - und wer eigentlich Schuld an der Sache hat. [...]
Unter Staufen brodelt etwas. Die gesamte Stadt hat sich angehoben. Und das in Dimensionen, die für geologische Verhältnisse enorm sind. Es geht um mehrere Zentimeter pro Monat.
Geologen wurden zu Rate gezogen. Sie sollten klären, ob - und wenn ja wie - die rätselhaften Risse durch die Bohrungen verursacht wurden. Wissenschaftler von der TU Darmstadt haben eine Theorie. Ingo Sass, Ingenieurgeologe an der TU Darmstadt und Experte für Geothermie-Bohrungen, vermutet im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, dass folgendes passiert ist: "Man hat am Rathaus losgebohrt, durchstieß die Gips-Keuper-Schicht und stieß darunter auf den Grundwasserleiter, in dem Wasser unter hohem Druck steht."
Keuper ist ein Anhydrit, ein Kalziumsulfat. Kommt es mit Wasser in Kontakt, entsteht Gips. Und der dehnt sich aus. Als die Grundwasserschicht unter dem Keuper angebohrt wurde, schoss das Wasser wie bei einem Geysir durch die Bohrung hoch und kam mit dem Anhydrit in Kontakt. Dadurch kam die chemische Reaktion in Gang. Bis zu 60 Prozent kann das Gestein im Untergrund bei diesem Prozess an Volumen zunehmen. [...]
"Das kann noch Jahre so weitergehen - je nachdem wie schnell sich das Wasser in der Keuper-Schicht bewegt." Er befürchtet gar, dass das Schlimmste noch bevorsteht: Die Gipsschicht könnte sich im Wasser teilweise wieder auflösen, Hohlräume würden unter der Stadt entstehen. "Ich kann nicht ausschließen, dass Gefahr im Verzug ist." Denn dann könnte es mitten im Stadtgebiet zu unerwarteten Einstürzen kommen. "Es muss dringend etwas getan werden", sagt Sass. "Der Wasserzutritt in den Gips-Keuper muss unterbunden werden." Aber das wird kosten. [...]

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natu ... 44,00.html

Es gibt auch ein Video dazu:
www.spiegel.de/video/video-40071.html


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BeitragVerfasst: Sa 15. Nov 2008, 17:26 
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Ich erinnere mich, dass man vor einiger Zeit in Basel Erdwärmebohrungen einstellen musste, da diese Erdbeben aulösten.

Denkt man an den Hype, den Erdwärme zur Zeit zu haben scheint, ist leider zu befürchten, dass sich etliche Firmen auftun werden, die nach Wildwestmanier bohren und wenn was schiefgeht, versuchen werden Geologen dafür verantwortlich zu machen.

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Gruß,
    tepui

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BeitragVerfasst: Sa 15. Nov 2008, 18:12 
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Der Beitrag lief vor kurzem auch im TV.
Habs grad meiner Mutter gezeigt... ihre Frage war gleich: "Warum hat man vorher kein geologische Gutachten erstellt?"
So langsam färbt das Denken auch in die Familie ab :wink: :lol:

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BeitragVerfasst: Sa 15. Nov 2008, 18:22 
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ohje ... woher wollten die denn die Wärme eigentlich holen?
Aber das man da nicht reinbohren sollte, hätte zur Not auch nich ich den sagen können.

Bin mal gespannt wie es da weitergeht.


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BeitragVerfasst: Sa 15. Nov 2008, 20:25 
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Was ich viel erschreckender finde als die "Katastrophe" an sich (so schlimm es ist), ist die Tatsache, dass jetzt alle (Nichtgeo-) Welt die Geothermie als gefährlich hinstellt und ausblendet, dass es erheblich mehr Geothermieprojekte gibt, die problemlos funktionieren. Ich habe schon Blogkommentare und auch Beiträge im SpiegelOnline-Forum zu Staufen gelesen, bei denen ich automatisch an die Anti-AKW-Bewegung und auch Bergbaugegner denken musste...

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Viele Grüße, GeoBerg.

http://www.geoberg.de
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BeitragVerfasst: So 16. Nov 2008, 10:18 
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tepui hat geschrieben:
Ich erinnere mich, dass man vor einiger Zeit in Basel Erdwärmebohrungen einstellen musste, da diese Erdbeben aulösten.

Basel war aber keine simple Bohrung für ein paar Erdwärmesonden, sondern eine Reservoir-Stimulierung durch Einpressen von Wasser (siehe HDR).
Dabei bebt nunmal die Erde etwas.
Es hat wohl nur keiner die Einwohner vorgewarnt...


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BeitragVerfasst: Mo 17. Nov 2008, 13:53 
vanessa hat geschrieben:
"Warum hat man vorher kein geologische Gutachten erstellt?"


So einfach ist der hier vorgetragene Fall wohl nicht. Offensichtlich gibt es da schon einige Gutachten.

Man sollte schon den Artikel genau lesen: Warum hat ausgerechnet Ingo Sass von der TUD die Ursache "Anhydrit" so genau benannt?
Staufen ist lächerliche 15 km vom LGRB Baden-Württemberg entfernt und läßt sich die Deutungshohheit in so einem politisch brisanten Schadensfall wegnehmen? Was ist denn da los?
Funktioniert hier etwa das "System Baden-Württemberg", diese über Jahrzehnte erfolgreiche Kombination von CDU-Filz und Vetterleswirtschaft nicht mehr?

Im Juni, oder Anfang Juli kam ein Mitarbeiter des LGRB zu uns und trug den Fall Staufen vor, verbunden mit der Bitte das Stadtgebiet geophysikalisch auf altbergbauliche Risiken zu untersuchen. Mein Antwort damals: Es gäbe keinen Altbergbau im Staufener Stadtgebiet.
Offensichtlich war man damals noch davon überzeugt, es mit Senkungen und nicht mit Hebungen zu tun zu haben. In die einschlägigen Kartierungen, z. B. BERG 1958, hat anscheinend keiner einen Blick getan.
Nun, nach dem wir uns nicht für ein Gefälligkeitsgutachten zur Verfügung gestellt haben, haben wir vom LGRB keine weiteren Anfragen erhalten.

Es grüsst

Der Stänkerer


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BeitragVerfasst: Mo 17. Nov 2008, 14:49 
Und hier noch ein Blick auf die Kartierung von BERG 1958:

http://www.pictureupload.de/originals/p ... taufen.jpg

Damit sich jeder selbst ein Bild machen kann.

Es grüsst

Der Stänkerer


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BeitragVerfasst: Mo 17. Nov 2008, 14:53 
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mal ganz ehrlich, danach ist (fast^^) jeder schlauer. hätten geologen dies wirklich auch voraussagen können?


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BeitragVerfasst: Mo 17. Nov 2008, 15:59 
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NeoXtrim hat geschrieben:
mal ganz ehrlich, danach ist (fast^^) jeder schlauer. hätten geologen dies wirklich auch voraussagen können?


Ja, wenn auf ner Karte km steht, müssen in Süddeutschland und in der Schweiz bei jedem Geologen die Warnlampen angehen.
Übrigens auch bei ju.

Ich kenn den Vorgang nicht genau, aber ich würde keine Bohrung freigeben, wenn ich nicht wüßte, durch welche Schichten ich durch muß und ob ich gespannte GW-Verhältnisse erwarten darf.

Glückauf
Rockdoc

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Glückauf
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BeitragVerfasst: Mo 17. Nov 2008, 20:55 
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NeoXtrim hat geschrieben:
mal ganz ehrlich, danach ist (fast^^) jeder schlauer. hätten geologen dies wirklich auch voraussagen können?

hätten...aber ja (in Ergänzung zu Rockdoc) - ähnliche Fälle, siehe Text unter Abschnitt "Beulen und Höhlen - drei Beispiele für vergessene Erfahrungen"

http://www.geologie.uni-stuttgart.de/ed ... bwge02.htm

Gruss
steinlaus


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BeitragVerfasst: Do 20. Nov 2008, 15:59 
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Hier einmal eine schöne Arbeit über die Gewinnung von Erdwärme und die notwendigen Voraussetzungen aus Hessen:

www.geothermie.de/fileadmin/useruploads ... waerme.pdf

Gruss
Spotts


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BeitragVerfasst: Fr 21. Nov 2008, 18:07 
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steinlaus hat geschrieben:
NeoXtrim hat geschrieben:
mal ganz ehrlich, danach ist (fast^^) jeder schlauer. hätten geologen dies wirklich auch voraussagen können?

hätten...aber ja (in Ergänzung zu Rockdoc) - ähnliche Fälle, siehe Text unter Abschnitt "Beulen und Höhlen - drei Beispiele für vergessene Erfahrungen"

http://www.geologie.uni-stuttgart.de/ed ... bwge02.htm

Gruss
steinlaus


unglaublich! ... mehr kann man dazu doch nicht sagen... :shock: :wall: :stupid:
da haben wohl einige vorher nicht richtig :readabook: können/wollen... (?)

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BeitragVerfasst: Fr 28. Nov 2008, 17:26 
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hard-rocker
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spotts hat geschrieben:
die notwendigen Voraussetzungen aus Hessen


Für den vorliegenden Fall in Baden-Württemberg gilt folgendes:

1. Da die Bohrungen tiefer als 140 m sind, wäre mindestens eine eine Bohranzeige nach §127 BBergG und §4 Lagerstättengesetz erforderlich. Da die Wärmenutzung in einem enge bebauten Gebiet erfolgen sollte, wäre sogar ein Antrag auf bergrechtliche Genehmigung nach §§ 6 ff. und §51 BBergG erforderlich. Im letzteren Fall wäre ein Genehmigungsverfahren mit formlichen Bescheid erforderlich.

Ein Mangel an diesen Voraussetzungen würde einen Schadensanspruch gegenüber der Stadt Staufen begründen.

2. Zu den Regelauflagen bei solchen Bohrungen gehört:

2a Die Aufnahme der Schichtenfolge nach DIN 4022, die Darstellung nach DIN 4023

2b Der Bohrlochringraum ist vollständig zu verpressen (VDI 4640)

2c In Gips- und Anhydritgestein ist sulfatbeständiger Zement (DIN 4030) dazu zuverwenden.

2d Bei stockwerksübergreifendem Grundwasser muss gewährleistet sein, dass durch die Ringraumverpressung ein anhaltender Grundwasserabfluss in über- oder unterlagernde Grundwasserstockwerke verhindert wird.

2e Falls eine eindeutige Klärung der geologischen Verhältnisse, insbesonders bei hydrogeologischem Stockwerksbau, anhand der Bohrproben nicht möglich ist, ist ein Gamma-Log zu fahren.

Mängel an diesen Auflagen, welche nur den Stand der Technik beschreiben, begründen einen Schadensanspruch gegenüber der Bohrfirma.

Eine wie auch immer geartete Verantwortlichkeit von Geologen ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen, wohlwissend, daß diese sich eh immer rauspissen.

Glückauf Rockdoc

_________________
Glückauf
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BeitragVerfasst: Mo 15. Dez 2008, 19:24 
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Hallo,

könnte man das überschüssige Wasser durch Zeolith binden?
Wenn ich mich recht erinnere, entsteht bei der Verwendung von Zeolithen keine Volumenänderung.

Viele Grüße aus der Leinestadt Hannover
Siegfried

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