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 Betreff des Beitrags: Sandduenen im kaledonischen Gebirge (Finnmark/NOR)
BeitragVerfasst: Sa 30. Dez 2017, 21:02 
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Hallo zusammen,
auf einer Tour durch die Finnmark / Norwegen sind wir bei Karasjok (s.a. https://de.wikipedia.org/wiki/Karasjok) am Fluss Karasjokka der Strasse E92 Richtung Westen gefolgt und an diversen Sanddünen und u.a. am See Vuottašjávri (334m NN) mit einem feinen Sandstrand vorbeigekommen (siehe Bilder). Es ist ein relativ flaches Hochplateau.
Es fehlen hier eigentlich die Transportmittel (z.B. Fluss, Meer; denn der Sand ist schon vorhanden) oder auch das Klima (Tundra, es ist kühl bis kalt, normale Niederschläge) lassen nicht auf eine „normale“ Verwitterung schließen. Die letzten Eiszeiten sollte hier nicht wie in Norddeutschland zur Ablagerung beigetragen haben bzw. müssten den Sand auch lange abgedeckt und vor „Wind und Wetter“ geschützt haben. Nach http://www.kristallin.de/berg-druck.htm ist das kaledonische Gebirge im Ordovizium gefaltet worden, was bis zum Untersilur (ca. vor 419 Ma) andauerte und seitdem wohl nicht mehr bewegt wurde, nur erodiert. Nach Wiki (Sand) soll Lockersediment höchsten 1 Mio Jahre alt sein.
Bild 1: Dünen bei Karasjok an E92
Bild
Bild 2: See / Strand (Lake Vuottašjávri, Lat.:  69° 21' 33" (69.3592°) north Longitude:  24° 1' 0.7" (24.0169°) east
Elevation:  334 metres (1,096 feet), siehe https://mapcarta.com/13899494)
Bild
Bild 3: Sandkörner (Nahaufnahme auf Papier)
Bild

Frage (Rubrik: Goethes Faust) : Wie können solche Mengen an Sand (mineralunabhängig) und Dünen hier (Ort ist wichtig) entstanden sein?

PS: Das ist auch ein geologisch sehr interessantes / spannendes Gebiet.

Besten Dank und schon mal ein gutes und gesundes 2018

Hippach


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 Betreff des Beitrags: Re: Sandduenen im kaledonischen Gebirge (Finnmark/NOR)
BeitragVerfasst: Di 2. Jan 2018, 13:43 
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Also bei google maps sieht man allenthalben Sandbänke und typische Sandablagerungen an den jeweiligen Gleithängen des Flusses.

https://www.google.de/maps/place/9730+K ... 0813?hl=de

Sand ist also schon einmal vorhanden.

Inwieweit deine "Düne" tatsächlich angeweht wurde oder ein reliktischer Gleithang einer Flussschleife ist, kann ich von hier nicht sagen.

Früher verlief das Flussbett eventuell höher als heute (Stichwort auch: Hebung Skandinaviens nach Abtauen der Gletscher).

Für äolisch würde sprechen, wenn gut sortiert, für Flusssediment, wenn Grobkorn (Kies) darin vorkommt.

Das Alter, ab wann ein Sand "garantiert" versteinert, ist sicher nur als grober Anhaltspunkt zu verstehen.

Gruß
Mullagan


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 Betreff des Beitrags: Re: Sandduenen im kaledonischen Gebirge (Finnmark/NOR)
BeitragVerfasst: Di 2. Jan 2018, 22:05 
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Aus der Vogelperspektive (GMaps) sieht man den Fluss mit den Sandbänken. Deshalb das Bild mit dem Auto.
Wie hoch würdest Du die Sandbank (Düne im Sinne von Erheung aus Sand) auf dem Foto schätzen?
In dem Gebiet ist einiges an Sand vorhanden (den kann man von oben aufgrund der Vegetation nicht sehen); industrielle Abbaugebiete z.B. in Jergul oder Lakselv (ca. 130Km Luftlinien nach Norden, andere Kammseite).
Äolisch würde ich hier ausschließen, da der Fluss nur noch ca. 100-200km weiter bergauf geht und auch das gesamte Gebiet nicht sehr große Berge besitzt. Der Fluss transportiert (m.E.) eher den vorhandenen Sand abwärts. Es müsste ggf. eine besonders starke Verwitterung vorhanden gewesen sein oder immer noch vorhanden sein(?)
Bei einem ggf. höheren Flusslauf, müsste sich der Fluss während der Hebung des Umlandes langsam nach unten gearbeitet haben und die o.g. Ablagerung dann aber anders geformt haben, mehr und länger in Fliessrichtung; zu sehen ist ein relativ horizontalen Kamm mit relativ gleichen Seiten-Neigungen.

Beste Grüße
Hippach


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 Betreff des Beitrags: Re: Sandduenen im kaledonischen Gebirge (Finnmark/NOR)
BeitragVerfasst: Mi 3. Jan 2018, 14:22 
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Hippach hat geschrieben:
Aus der Vogelperspektive (GMaps) sieht man den Fluss mit den Sandbänken. Deshalb das Bild mit dem Auto.
Wie hoch würdest Du die Sandbank (Düne im Sinne von Erhebung aus Sand) auf dem Foto schätzen?
In dem Gebiet ist einiges an Sand vorhanden (den kann man von oben aufgrund der Vegetation nicht sehen); industrielle Abbaugebiete z.B. in Jergul oder Lakselv (ca. 130Km Luftlinien nach Norden, andere Kammseite).
Äolisch würde ich hier ausschließen, da der Fluss nur noch ca. 100-200km weiter bergauf geht und auch das gesamte Gebiet nicht sehr große Berge besitzt. Der Fluss transportiert (m.E.) eher den vorhandenen Sand abwärts. Es müsste ggf. eine besonders starke Verwitterung vorhanden gewesen sein oder immer noch vorhanden sein(?)
Bei einem ggf. höheren Flusslauf, müsste sich der Fluss während der Hebung des Umlandes langsam nach unten gearbeitet haben und die o.g. Ablagerung dann aber anders geformt haben, mehr und länger in Fliessrichtung; zu sehen ist ein relativ horizontalen Kamm mit relativ gleichen Seiten-Neigungen.

Beste Grüße
Hippach


Die Sanddüne wird ca. 10 m bis 15 m hoch sein.

"Sand" ist ja erst mal nur eine Korngröße zwischen Schluff und Kies. Er besteht häufig aus Quarzmineralen, die z.B. aus Granit herausgewittert sein können. Theoretisch - und in gewissem Umfang immer - sind auch andere Mineralien von Sandkorngröße in dem Material (in deinem Foto z.B. die dunklen Körner). Wenn du die Körner identifizieren kannst, bist du einen Schritt weiter, wo das Material herkommt.

Die Ablagerung des Materials kann vor langer Zeit erfolgt sein, als die Transportwege und die Morphologie der hiesigen Erdoberfläche ganz anders waren. Also auch vor mehreren Eiszeiten oder während einer Eiszeit, wenn die Vegetation gerade fehlte (dann gerne: Sandverwehungen).

Die Form der "Düne" kann auch überprägt sein, z.B. durch die Erdarbeiten bei der Herstellung der Straße.

Es bleibt also noch eine Menge zu klären, wenn das Interesse weiter besteht.

Dabei helfen Geologische Karten und Texte, eventuell ein Besuch des örtlichen Museums etc.

Ohne Ortstermin kann ICH dir jetzt aber nicht weiterhelfen, glaube ich. :)


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 Betreff des Beitrags: Re: Sandduenen im kaledonischen Gebirge (Finnmark/NOR)
BeitragVerfasst: Mi 3. Jan 2018, 21:18 
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Die Kernfragen, die ich mir stelle sind: kann man Sand (unabhängig der Mineralien) und auch in solchen Mengen an einem solchen Ort (o.g. Beschreibungen) erwarten? Wenn ja, kann man das auch an anderen geologisch und klimatisch gleichen/ähnlichen Orten so erwarten? Kann man also eine gewisse Ableitung bilden und somit über die Entstehungsgeschichte erfahren?
Aufgrund der Informationen über das sehr alte Gebiet hier in Europa (kaledonisches Gebirge) sollten doch Bewegungen der Oberfläche geringfügig ausfallen, im Vergleich zu der Zeit, in der Sand entstehen kann. Deshalb würde ich hier keinen Sand in diesen Mengen erwarten.
Der Hügel wird vor dem Strassenbau größer und breiter gewesen sein. Auf der Strasse bin ich an einigen vorbeigekommen, die auch abseits liegen. Die Vegetation verfälscht den Eindruck.
Über den Hügel brauchen wir nicht weiter spekulieren (vielen Dank soweit), die Kernfragen sind da wichtiger. Das könnte dann zu weiteren SAND-Fragen führen… Danke
Beste Grüße
Hippach


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 Betreff des Beitrags: Re: Sandduenen im kaledonischen Gebirge (Finnmark/NOR)
BeitragVerfasst: Do 4. Jan 2018, 11:04 
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Hippach hat geschrieben:
Die Kernfragen, die ich mir stelle sind: kann man Sand (unabhängig der Mineralien) und auch in solchen Mengen an einem solchen Ort (o.g. Beschreibungen) erwarten?
Wenn ja, kann man das auch an anderen geologisch und klimatisch gleichen/ähnlichen Orten so erwarten? Kann man also eine gewisse Ableitung bilden und somit über die Entstehungsgeschichte erfahren?

Aufgrund der Informationen über das sehr alte Gebiet hier in Europa (kaledonisches Gebirge) sollten doch Bewegungen der Oberfläche geringfügig ausfallen, im Vergleich zu der Zeit, in der Sand entstehen kann. Deshalb würde ich hier keinen Sand in diesen Mengen erwarten.

Beste Grüße
Hippach


Ich glaube, du stehst dir mit der Art der Fragestellung selbst etwas im Weg. Ich versuche es mal der Reihe nach:

Du brauchst Sand, den erhältst du z.B. aus der Verwitterung silikatischer Gesteine (Granit, Sandstein,.....). So etwas gibt es in Nordskandinavien.
Du kannst auch große Mengen davon erhalten. Du berichtest ja sogar über abbauwürdige Vorkommen.

Durch Erosion (z.B. Frostsprengung) und Transport in der Strömung etc. kommt die Korngröße zustande. Einen Fluss gibt es ja offenbar in der Nähe.
Relativ weite Transporte und/oder sehr gleichmäßige Energieverhältnisse (z.B. Strömungsgeschwindigkeiten) würden für eine sehr gleichmäßige Kornverteilung sorgen eventuell sogar innerhalb der Sandfraktion (NUR Feinsand oder NUR Mittelsand,..). Ebenso ein Windtransport. Mit dieser Untersuchung kannst du als weitere Hinweise dazu bekommen, wie /wie weit der Sand transportiert wurde.

In der von dir eingangs beschriebenen Dauer von 1 mio Jahren für die Konsolidierung/Versteinerung von Sand (merke: ich unterschreibe hier nicht die Richtigkeit dieser Aussage) gab es ca. 7 Eiszeiten mit dazwischen liegenden Warmzeiten. Da gab es massig Möglichkeiten Sander, Lößverwehungen etc. in dieser Gegend zu bekommen. Das Klima hat sich in dieser Zeit hier häufig geändert. Derzeit ist gerade kein Eis vorhanden. Aber gerade diese Wechsel aus Frost, Rückzug des Eises, Wind, Vegetationsmangel, Strömungsenergie etc. haben die Umstände für die beobachteten Sandvorkommen geschaffen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Sandduenen im kaledonischen Gebirge (Finnmark/NOR)
BeitragVerfasst: Do 4. Jan 2018, 22:49 
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Vielen Dank für die umfassenden Antworten.
Ich nehme dann mal mit, dass diese Sandberge/Sande etc. auch anderswo bei gleichen/ähnlichen Verhältnissen vorkommen und es sich hier um keine besonderen Ablagerungen o.ä. handelt. Die Gesteine werden irgendwie verwittert sein und sind hier als Sand liegen geblieben. Wie schon beschrieben, sind die Transportwege (geologisch betrachtet) sehr kurz; tippe deshalb auf die Eiszeitgletscher mit ihrer Frostsprengung bzw. Hydratation beim Schmelzprozess.
Werde später nochmal darauf zurückkommen und erstmal noch etwas weiter nachlesen.

Beste Grüße
Hippach


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 Betreff des Beitrags: Re: Sandduenen im kaledonischen Gebirge (Finnmark/NOR)
BeitragVerfasst: Sa 6. Jan 2018, 22:40 
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Bei weiterem Betrachten (von oben mit GMaps) der umliegenden Landschaften ist klar, dass Sand in ganz Nord-Ost-Skandinavien in grossen Mengen am/im Boden vorkommt. Wenn man z.B. weiter nach Osten und Südosten schaut, sieht man in den bis zur nördlichen Ostsee abfallenden Landschaft viele Sandränder an Seen und Flüssen (z.B. Ort Seskarö in Nordschweden). Gleiches gilt auch, wenn man dem Breitengrad Richtung Kanada folgt und sich z.B. Landschaften auf der Baffin-Insel „von oben“ oder auch Bilder rund um den Flughafen Kangerlussauq (SFJ) auf Grönland anschaut; alles geschaffen durch Eis und Kälte.
Da Skandinavien auch oft und lange von Eis auch während der Eiszeiten bedeckt war und da das Eis auch unmittelbar von hier aus seinen Anfang nahm, muss das Eis (Frost) und das spätere Schmelzwasser zu der Sandbildung/Verwitterung (siehe physikalisch-chemische Eigenschaften von Wasser / Eis) geführt haben. Die später folgende Vegetation hat den Boden dann überdeckt. Man findet Kiefernbäume wie z.B. im sandigen Brandenburg / Mecklenburg-Vorpommern.
Die o.g. Dünen müssten m.E. aufgrund der Form und Lage an einem Hang auf einen Bergrutsch zurückzuführen sein (siehe z.B. Mössingen, Bergrutsch 1983, Hirschkopf 659m), da ein hoher Berg fehlt (wie z.B. die Drei Zinnen in den Dolomiten).
Überraschend für mich ist, dass Sand (mineralunabhängig) eigentlich überall im hohen Norden und auch in Mengen vorkommen kann, die für Aufschüttungen o.ä. reichen. Nach den Informationen über die Sandbildung durch Eiszeiten, in warmen/trockenen Wüsten oder auch in den Tropen, hätte ich die Sandmengen nicht über dem nördlichen Polarkreis erwartet.
Oft durch Vegetation verdeckt, sieht man nicht immer auf den ersten Blick, was unter einem ist; sind Kiefern in der Nähe ist auch Sand darunter…
Beste Grüße
Hippach


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 Betreff des Beitrags: Re: Sandduenen im kaledonischen Gebirge (Finnmark/NOR)
BeitragVerfasst: So 7. Jan 2018, 13:53 
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Hippach hat geschrieben:
Bei weiterem Betrachten der umliegenden Landschaften ist klar, dass Sand in ganz Nord-Ost-Skandinavien in grossen Mengen vorkommt. Wenn man z.B. weiter nach Osten und Südosten schaut, sieht man in den bis zur nördlichen Ostsee abfallenden Landschaft viele Sandränder an Seen und Flüssen. Gleiches gilt auch, wenn man dem Breitengrad Richtung Kanada folgt und sich z.B. Landschaften auf der Baffin-Insel „von oben“ oder auch Bilder rund um den Flughafen Kangerlussauq (SFJ) auf Grönland anschaut; alles geschaffen durch Eis und Kälte.
Da Skandinavien auch oft und lange von Eis auch während der Eiszeiten bedeckt war und da das Eis auch unmittelbar von hier aus seinen Anfang nahm, muss das Eis (Frost) und das spätere Schmelzwasser zu der Sandbildung/Verwitterung geführt haben. Die später folgende Vegetation hat den Boden dann überdeckt. Man findet Kiefernbäume wie z.B. im sandigen Brandenburg / Mecklenburg-Vorpommern.
Hippach


Jepp, soweit ist das ziemlich richtig. Frostsprengung kann die Ursache für die Entstehung der Sandfraktion sein. Die nährstoffarmen Sandböden bieten Vorteile für anspruchslosere Pflanzen wie Kiefern oder auch Birken.

Das Schmelzwasser kann zu einer Rundung der Körner und zu einer Sortierung in enge Fraktionen (Mittelsand etc.) führen. Trotzdem sind auch die äolischen Transporte, gerade bezüglich der Sortierung und im während der Eiszeit vegetationslosen Vorgletscher-Bereich nicht zu unterschätzen!


"Die o.g. Dünen müssten m.E. aufgrund der Form und Lage an einem Hang auf einen Bergrutsch zurückzuführen sein (siehe z.B. Mössingen, Bergrutsch 1983, Hirschkopf 659m), da ein hoher Berg fehlt (wie z.B. die Drei Zinnen in den Dolomiten)."

Der Bergrutsch ist hingegen ziemlicher Unsinn. Da wäre gerade KEINE Sortierung zu erwarten sondern ein Gemisch aus Ton, Schluff, Sand, Kies, Steinen, Blöcken etc.

Die Wissenschaft der Sedimentologie - wir sind ja keine ZAUBERER!!! - nutzt Betrachtungen aktueller Erosions- und Ablagerungsvorgänge, um die früheren Prozesse zu verstehen, die zu Lockergesteinsablagerungen geführt haben. Das geht bis in milliardenalte Sedimentgesteine. Wenn du einmal durch Schottland fährst, siehst du Torridonian Sandstein (< 1.000.000.000 a), der Schrägschichtungskörper (Dünen, Riesenrippeln)aufweist.
Wenn du heute am Strand stehst (z.B. Nordsee), siehst du, wie Rippeln sich bilden, siehst typische Strukturen (flache LUV-Hänge, steile Lee-Abbruchkanten), die du auch bei Dünen in Wüsten etc. im Großen erkennen kannst.

Nimm dir mal ein Buch über Sedimentologie zur Hand: Ist vielleicht was für dich. ICH finde das Thema jedenfalls ungeheuer spannend!


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 Betreff des Beitrags: Re: Sandduenen im kaledonischen Gebirge (Finnmark/NOR)
BeitragVerfasst: So 7. Jan 2018, 21:11 
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Sedimetologie (wie Du schreibst:“…Betrachtungen aktueller Erosions- und Ablagerungsvorgänge, um die früheren Prozesse zu verstehen, die zu Lockergesteinsablagerungen geführt haben…“) finde ich auch sehr spannend. Genau deshalb habe ich mir die o.g. Fragen bezogen auf genau diesen Ort gestellt, an dem die Einflussfaktoren, die zu Sedimenten/Sand führen, kaum/sehr wenig gegeben sind (Ort nicht signifikant); beobachten und deuten.
Die Bezeichnung „ziemlicher Unsinn“ hätte ich hier nicht erwartet, denn (auch wiss.) es sind Substanz, Sinn und Logik angeführt. Wenn (sortierter) Sand auf einem Berg liegt und dann nach unten rutscht, sollte eine solche Aufschüttung zu erwarten sein. Als vergleichbares Beispiel eines aktuellen Erosionsprozesses hatte ich den Bergrutsch von 1983 und 2013 bei Talheim / Mössingen gefunden (Bild):
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/72/Albtrauf_Bergrutsch_Talheim_Schwaebische_Alb.jpg
oder auch die Erosionsablagerungen (die sind doch vergleichsweise gut sortiert?) an den Drei Zinnen (Bild):
http://www.fotocommunity.de/photo/die-drei-zinnen-dolomitien-suedtiro-ossi-reichegger/14854411
An den Felsen findet eine feinkörnige Erosion statt, scheinbar nicht nur Forstsprengung, die erst zu grössenen Abbruchgesteinen führt und diese dann durch den weiteren Transport zerkleinert werden.
Wäre der Hirschkopf (659m) bei Mössingen / Talheim ein zu erwartender Sand/Feingestein-Ablagerungsort? Was ist hier zu erwarten?

Beste Grüße
Hippach


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 Betreff des Beitrags: Re: Sandduenen im kaledonischen Gebirge (Finnmark/NOR)
BeitragVerfasst: Mi 10. Jan 2018, 23:44 
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Die folgenden Informationen und Quellen waren der Ausgangspunkt der Fragen:
1. Quelle (http://www.kristallin.de/berg-druck.htm); könnte einen Hinweis liefern: „...Die Erosion hat allerdings in den seither verstrichenen Zeiträumen ganze Arbeit geleistet. Von mehreren Gebirgen, die nacheinander entstanden, ist nur noch das jüngste, das Kaledonische Gebirge, als Berglandschaft vorhanden. Alles andere ist weg. Verwittert und eingeebnet. Die Schätzungen über die Höhe der abgetragenen Gesteinskruste schwanken, jedoch scheint ein Wert von 10 Kilometern (!) eher die Untergrenze zu sein. Möglicherweise fehlt noch mehr. Wenn Sie in Skandinavien auf den vom Eis polierten Gesteinen spazieren gehen, laufen Sie inmitten uralter, abgetragener Gebirge herum. ... Die Gletscher der letzten Eiszeiten haben aber nur einen sehr kleinen Beitrag zur Einebnung geleistet. Der größte Abtrag fand durch Wind und Wetter in den unglaublich langen Zeiträumen statt, die seit der Bildung Skandinaviens vergangen sind...“
2. Quelle: Dazu die Erklärung für das Vorkommen von Sand als Lockersediment auf der Erdoberfläche von Wiki (https://de.wikipedia.org/wiki/Sand): „…Erklärt wird dies damit, dass der weitaus größte Teil des heute auf der Erde vorkommenden Sandes der Verwitterung von Sandsteinen entstammt und somit schon mehrere Erosions- und Sedimentationszyklen hinter sich hat: Sand wird abgelagert (sedimentiert), überdeckt durch andere Sedimente und dadurch verdichtet…Selbst wenn man eine Zyklusdauer von 200 Millionen Jahren annimmt, so kann ein heutiges, gut gerundetes Quarz-Sandkorn durchaus zehn solcher Zyklen und damit fast die halbe Erdgeschichte durchlaufen haben. Im Gegensatz dazu sind Sande als Lockersediment an der Erdoberfläche höchstens eine Million Jahre alt…“, betr. phys. Verwitterung / Transport: "...Durch mechanische Beanspruchung beim Transport ändert sich die Form der Einzelkörner. Generell gilt, dass Ecken und Kanten umso mehr gerundet und abgeschliffen werden, je länger der Transportweg ist. ... Untersuchungen ergaben, dass häufig ein Transportweg von Tausenden von Kilometern nötig ist, um kantige Sandkörner mittlerer Größe auch nur mäßig zu verrunden. Beim Transport entlang von Flussläufen können diese Weglängen nur selten erreicht werden, und auch die stetigen Bewegungen in der Brandungszone einer Küste reichen in den meisten Fällen nicht aus, um die heutzutage feststellbare gute Rundung vieler Sandkörner zu erklären, besonders dann nicht, wenn der Sand hauptsächlich aus widerstandsfähigem Quarz besteht." Quarzsandkörner sind eher nicht in den Proben (s.Bild 3).

Beste Grüße
Hippach


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 Betreff des Beitrags: Re: Sandduenen im kaledonischen Gebirge (Finnmark/NOR)
BeitragVerfasst: Do 18. Jan 2018, 23:52 
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Hallo Hippach,

zwischen Vergletscherung und dem Beginn der Vegationsbedeckung dürfte es ein ausgiebig langes Zeitfenster gegeben haben zur Umlagerung des Materials durch Fluss- und Winderosion und -akkumulation. Ist das nicht einfach die Analogie zu Sanderflächen und Binnendünen, die man aus Mitteleuropa kennt?

Gruß Lias


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 Betreff des Beitrags: Re: Sandduenen im kaledonischen Gebirge (Finnmark/NOR)
BeitragVerfasst: So 21. Jan 2018, 21:39 
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Hallo Lias,
vielen Dank für Deine Antwort.
Das müsste doch dann auch bedeuten, dass entweder der Sand (in grossen Mengen) schon dort war (wie in Mitteleuropa; dann äolische Aufschüttung o.ä.) oder der/die Gletscher mit „Null-Schmirgelweg“ (Zerreibung des Gesteins; Null-Weg, da am Ausgangspunkt der Vergletscherung) diese Mengen an Sand hervorgebracht haben?
Deutschland soll vor ca. 200 Ma auch eine Wüste gewesen sein. Das mit ca. 419 Ma alte kaledonischen Gebirge soll ca. -10km erodiert sein. Vielleicht ist der o.g. Sand ein grosser Rest davon und die Dünen sind solche Binnendünen wie in Mitteleuropa(?)
Habe mal weitere Sandproben gesammelt. Hier ein Vergleich, der relativ ähnlichen Sand vermuten lässt(?)

Bild

Links: Sand aus dem Rhein (Mannheim), rechts: Sand aus o.g. Finnmark/NOR

Beste Grüße
Hippach


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 Betreff des Beitrags: Re: Sandduenen im kaledonischen Gebirge (Finnmark/NOR)
BeitragVerfasst: Mo 22. Jan 2018, 16:50 
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Hippach hat geschrieben:
Hallo Lias,
vielen Dank für Deine Antwort.
Das müsste doch dann auch bedeuten, dass entweder der Sand (in grossen Mengen) schon dort war (wie in Mitteleuropa; dann äolische Aufschüttung o.ä.) oder der/die Gletscher mit „Null-Schmirgelweg“ (Zerreibung des Gesteins; Null-Weg, da am Ausgangspunkt der Vergletscherung) diese Mengen an Sand hervorgebracht haben?
Deutschland soll vor ca. 200 Ma auch eine Wüste gewesen sein. Das mit ca. 419 Ma alte kaledonischen Gebirge soll ca. -10km erodiert sein. Vielleicht ist der o.g. Sand ein grosser Rest davon und die Dünen sind solche Binnendünen wie in Mitteleuropa(?)
Habe mal weitere Sandproben gesammelt. Hier ein Vergleich, der relativ ähnlichen Sand vermuten lässt(?)

Bild

Links: Sand aus dem Rhein (Mannheim), rechts: Sand aus o.g. Finnmark/NOR

Beste Grüße
Hippach


Was man an den Fotos gut erkennt: Sand ist mit das langweiligste Sediment, das es gibt. :)

Sand ist erstmal eine Kornfraktion. Um diese zu erhalten, darf das Material nicht zu weich und nicht zu leicht löslich sein. Daher ist in Sand meist ein hoher Anteil an Quarz. Der Rest sind weitere Silikate (z.B. Feldspat) und alle möglichen Bruchstücke anderer Gesteine.
Mit dieser Grundlage kannst du Sand fast überall auf der Welt und in den meisten geologischen Zeitaltern finden.
Nur eine genaue Untersuchung (Herstellen von Dünnschliffpräparaten und Mikroskopie) bringt vielleicht charakteristische Mineralien hervor, z.B. Granat.

Die meist relativ harten Körner werden nur mühsam gerundet. Da gibt es von "subrounded" bis "well rounded" alle möglichen Beschreibungen, ist aber praktisch gar nicht so leicht, die richtig zu erkennen und jetzt hieraus eine genaue Transportstrecke oder Strömungsenergie abzuleiten.

Was eindeutiger ist - und das habe ich eingangs schon einmal geschrieben - wenn alle Körner etwa gleich groß sind, hat eine Sortierung stattgefunden. Die kann mittels Wind oder im Wasser erfolgt sein. Demgegenüber fast unmöglich: als Grundmoräne oder als Bergrutsch. Hier hättest du sonst alle Korngrößen von Ton bis Block.

Ein Transport hat dann aber auf jeden Fall stattgefunden. Wenn du mal aus deiner Hemdsärmel-Quelle zugrunde legst, dass Sand 1 mio Jahre alt sein kann, ohne zu Gestein zu werden, dann hast vielleicht in dieser Zeit in deiner Gegend zeitweise riesige Flüsse gehabt, die viel Wasser und relativ weit mit sich führten. Dazu müsstest du die Paläogeographie genauer erkunden. So könnte sich der viele Sand angesammelt haben, der - richtig!- vorher schon existiert hat.


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